20 Jahre Mittagslesungen

20 Jahre Mittagslesungen

Die Jubiläumslesung am 6. Dezember 2019 in der Stadtbibliothek

Foto: Stadt Nürnberg/BCN - Rita Kamm-Schuberth
Die Nürnberger Mittagslesungen feierten am 6. Dezember 2019 in der Stadtbibliothek ihr 20-jähriges Bestehen

Sehr viele Zuhörerinnen und Zuhörer waren gekommen, der Raum übervoll. Am kurzen Ende des Raumes eine Bildpräsentation mit Fotos von vergangenen Tagen als die Reihe ‚Gäste und Buch‘ 1999 als ‚Eine Stadt liest‘ gegründet wurde. Erinnerungen, Momente und weiter hinten spielt der Saxophonist Juoan Tong von der Musikhochschule Nürnberg zum Einlass stimmungsvolle Werke von Bach. Warten. Warten, denn es sind noch nicht alle unserer eingeladenen Gäste eingetroffen. Was für Texte haben sie wohl mitgebracht? Moderatorinnen wie Zuhörerinnen und Zuhörer werden jedes Mal von der Vielfalt der ausgewählten Literatur überrascht. Und heute zur Jubiläumslesung haben wir das Format beibehalten, unsere Gäste lesen aus ihren Lieblingstexten – aber heute sind es vier Gäste, eingeladen von den vier Moderatorinnen.

Die Poetry Slammerin Pauline Füg macht den Auftakt

Foto: Stadt Nürnberg/BCN - Rita Kamm-Schuberth
Pauline Füg

Endlich, fast pünktlich 14 Uhr eröffnet Pauline Füg, Autorin, Dipl.-Psychologin und Moderatorin, mit einem eigenen Text (Auszug):

„Schreib mal eine Rede über die Zukunft der Mittagslesungen haben sie gesagt.

Schreib mal eine Rede über die Zukunft der Mittagsliteratur haben sie gesagt.

Schreib mal eine Rede über die Zukunft der Literatur haben sie gesagt.

Es wurde eine Rede über die Menschen und die Welt, habe ich gemerkt.

[…]

Seit 20 Jahren gibt es Mittagslesungen in Nürnberg. 1999 wurden sie ins Leben gerufen von Reinhard Knodt und Karl Heinz Demuß. Mittlerweile werden sie organisiert und moderiert von Madeleine Weißhaupt, Katharina Gloser, Christiane Rumpf und Elke Thoma.

Die Mittagslesungen vernetzen Menschen. Und Literatur. Und Menschen mit Menschen. 45 Minuten bei freiem Eintritt, die Nähe schaffen, Gespräche und Austausch ermöglichen. Perspektiven aufzeigen. Und ein fester Bestandteil der Nürnberger Kulturszene geworden sind. Die Mittagslesungen vernetzen also Nürnberg mit Literatur mit Menschen.

Und ich komme immer wieder bei den Menschen an.

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt. (Ludwig Wittgenstein) “

Die Gäste der Jubiläumsveranstaltung

Foto: Stadt Nürnberg/BCN - Rita Kamm-Schuberth
Prof. Dr. Julia Lehner und Kathleen Röber

Menschen, davon lebt die Reihe. Sie hat es 20 Jahre geschafft zu bestehen. Kathleen Röber, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Literatur am Bildungscampus, begrüßt das Publikum und begrüßt Karl Heinz Demuß, Literat aus Nürnberg, der die „Mittagslesungen“ ins Leben rief, sowie den Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Regionalgruppe Mittelfranken, vertreten durch Werner Schwab, unserem Partner, dem KunstKulturquartier, Frau Beate Treffkorn, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Sparkasse Nürnberg und die ehemaligen Moderatorinnen und Unterstützer und Unterstützerinnen.

Menschen, die heute leider nicht dabei sein können: Madeleine Weishaupt und Christiane Rumpf. Wir wünschen gute Besserung und freuen uns auf ihre eingeladenen Gäste.

Die Kulturreferenten Prof. Julia Lehner eröffnet den Lesereigen mit einem Auszug aus dem Bid Book der Nürnberger Bewerbung zur Kultur Hauptstadt 2025, wir sprechen über die Vorbereitungen für die Präsentation in Berlin am 12.12., die enge Verbundenheit der Kulturreferentin mit den Nürnberger Mittagslesungen und drücken die Daumen für die 2. Runde der Bewerbung.

Elke Thoma begrüßt die nächsten zwei Gäste: Dr. Martin Ecker, Direktor des Bildungscampus und begeisterter Vielleser, der einen amüsanten und tiefgründigen Auszug aus Sasa Stanisics „Herkunft“ las sowie die Kammerschauspielerin Adeline Schebesch, die den Klang und die Vielfalt der deutschen Sprache anhand von zwei rezitierten Gedichten hörbar machte. Katharina Gloser und Klaus Schamberger finishten als Ü70 die Jubiläumslesung.

Klaus Schamberger über das Vorlesen

Foto: Stadt Nürnberg/BCN - Rita Kamm-Schuberth
Klaus Schamberger

Erkennbar humoristisch und altbekannt sorgte Klaus Schamberger mit seinem Textgeschenk in fränkischer Mundart für heitere Momente. Hier ein Auszug, warum er nicht gerne liest:

„Mit dem Vorlesen hab ich, ich muss es trotz dringlicher Warnung von Katharina Gloser jetzt doch erwähnen, hab ich von frühester Kindheit an, gravierende, um nicht zu sagen in der tiefsten Tiefe meines Innenlebens wirkende, also nahezu traumatische Probleme.

Ganz genau weiß ich es nicht mehr, aber es muss im zarten Alter von zwei oder drei Jahren gewesen sein, wie mir zum ersten und Gottseidank auch letzten Mal eine sogenannte Literatur vorgelesen worden ist, seitens meiner Mutter ein Märchen der von mir anschließend nicht sehr geschätzten Gebrüder Grimm. Und zwar das Märchen „Die Gänsemagd“, also die Sache mit dem Pferdekopf. A abg’hackter Pferdekopf, der spricht. Blöder geht’s gwiss nicht, oder!? Damals hab ich nach dieser Lesung nachts Fieberträume gehabt, der abgehackte Pferdekopf ist über meinem Bettschdäddla aus der Wand rausg’hängt, Blutspritzer im ganzen Kinderzimmer. Die Alpträume hab ich heut noch, ungefähr alle paar Wochen.“

Die Nürnberger Mittagslesungen bedanken sich ihrem treuen Publikum und freuen sich auf die nächsten Jahre.

Text: Kathleen Röber

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