Nürnberger Stadtansichten von 1600 bis 1850

Nürnberger Stadtansichten von 1600 bis 1850

Blick auf Nürnberg aus dem Jahr 1839 (Ansichten Von Nürnberg und seinen Umgebungen, Nürnberg 1839; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Stoer. 1145)

Keine andere Stadt im deutschen Sprachraum ist so früh und so häufig im Bild festgehalten worden wie Nürnberg. 70 zwischen den Jahren 1600 und 1850 aufgelegte Folgen, die aus rund 2 000 Stadt- und Landschaftsdarstellungen bestehen, sind nun online zugänglich. Sie laden im Portal „bavarikon – Kultur und Wissensschätze Bayerns“ zu einer Zeitreise ein. Digitalisiert wurden sie in der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg mit Fördermitteln des Freistaats Bayern.

Die nun zentral an einer Stelle als Sammlung öffentlich zugänglichen, wirklichkeitsgetreuen Darstellungen der Stadt Nürnberg ermöglichen es, das 1945 unwiederbringlich ausgelöschte Stadtbild digital zu erleben. Längst verschwundene Bauwerke können im Detail studiert und die Veränderungen sowohl in der Stadt als auch im Umland über die Jahrhunderte nachvollzogen werden. Die Veduten, die Stadt- und Landschaftsdarstellungen, stammen aus den Sammlungen der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, die auf eine über 650- jährige Geschichte zurückblicken kann. Der Bestand „Norica Kupfer“ dokumentiert nahezu vollständig die als Sammlungen geplanten Folgen mit Ansichten der Stadt Nürnberg, ihrer Universitätsstadt Altdorf sowie der Nachbarstadt Fürth. Dieser reiche Bestand ermöglichte das nun abgeschlossene Projekt.

Nürnberg im 17. Jahrhundert: Die wehrhafte Stadt als Ideal
Zu den ältesten nach der Natur entstandenen Panoramen Nürnbergs zählt der Holzschnitt in der 1493 erschienenen „Weltchronik“ Hartmann Schedels. Das Bild Nürnbergs mit dem von Gärten, Feldern und Reichswäldern umgebenen Mauerring und den zahlreichen hoch aufragenden Türmen wurde zum Synonym einer wehrhaften, sicheren, politisch und sozial stabilen Stadt. Mit jeder der in den folgenden Jahrhunderten entstandenen Stadtansichten ist dieses Ideal verfestigt worden.

Ansicht der Stadt Nürnberg aus dem Jahr 1730 (Nürnbergische Prospecte, gestochen von Sámuel Mikoviny und verlegt von Peter Konrad Monath, 1730?; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Nor. K. 16)

Im 17. Jahrhundert rückten herausragende weltliche und sakrale Gebäude wie Burg, Rathaus und Kirchen, Stadttore im Mauerring sowie Brücken und Stege über die Pegnitz und schließlich Plätze und Straßen in der Stadt in den Fokus. Von Interesse waren auch die jenseits der Stadtmauer gelegenen Friedhöfe, Siechkobel, Gärten, Klöster, Einöden, Dörfer und Herrensitze im Nürnberger Land.

Hallertorbrücke (Johann Andreas Graff: Dodecas oder 12. Abgezeignete schöne Landtschäfftlein Umb Nürnberg, 1688; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Nor. K. 6)

Nürnberg im 18. Jahrhundert: Pittoreske Weitblicke, Brauchtum und Gartenkultur
Mit den Kupferstechern Johann Alexander Boener (1647-1720) und Johann Adam Delsenbach (1687-1765) erlebte diese Vedutenproduktion im 18. Jahrhundert quantitativ mit Serien von weit über 100 Blättern ihren Höhepunkt.

Kartause Marienzelle (Johann Alexander Boener: Des Heil. Röm. Reichs Stadt Nürnberg Zierdte, 1702; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Stoer 1259)

Andere Stecher wie Joseph Kellner (1749-1814) oder Ambrosius Gabler (1762-1834) suchten sich Nischen mit der Abbildung des lokalen Brauchtums oder von Ausrufern als populären Charakteren vor städtischer Kulisse. In diese Kategorie fallen auch die Folgen zu Handwerksumzügen oder zu Schießübungen.

Gänseverkäufer vor dem Mendelschen Zwölfbrüderhaus in Nürnberg (Johann Ambrosius Gabler: Ausruffende Personen in Nürnberg, 1790; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Will. VII. 46)

Großer Beliebtheit erfreuten sich die pittoresken Weitblicke von den Toren der Stadt auf das Umland. Georg Christoph Gottlieb von Bemmel (1738-1794) hielt kurz vor dem Untergang der Reichsstadt die in das Umland vorgeschobenen Schanzen und Wachtposten in einer umfangreichen Serie fest. Mit seinen „Nürnbergischen Hesperides“ legte der Kaufmann und Botaniker Johann Christoph Volkamer (1644-1720) nicht nur ein Standardwerk zu Zitruspflanzen, sondern auch zur Gartenkultur Nürnbergs vor, indem er Pflanzenbilder mit topographischen Ansichten kombinierte.

Lochnersches Gartenhaus in Fürth; Johann Christoph Volkamer: Nürnbergische Hesperides, 1708; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Will. IV. 24)

Nürnberg im 19. Jahrhundert: Tourismus und Industrialisierung
Eine Belebung der Vedutenproduktion setzte nach der romantischen Wiederentdeckung Nürnbergs 1793 ein. Die in der Folge wieder stark zunehmende Herausgabe von Ansichtenserien spiegelt Nürnbergs Transformation zum Inbegriff einer mittelalterlichen deutschen Stadt und den Aufstieg zu einem attraktiven Reiseziel für Touristen aus ganz Europa. Einzelbauwerke mit mehrsprachigen Erläuterungen rückten nun als Erinnerungsblätter und Erklärungen für Reisende in den Mittelpunkt, darunter im Bewusstsein des Verlusts auch Reminiszenzen an mittlerweile untergegangene Gebäude. Parks wie die Rosenau und der Schmausenbuck, Ausflugslokale im Umland oder Höhlen und Ruinen von Burgen in der Fränkischen Schweiz kamen als neue Themen hinzu.

Schmausenbuck (Philipp Heinrich Dunker: Der Schmausenbuck bei Nürnberg, 1840?; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Nor. K. 65)

Nicht unberücksichtigt blieb die zunehmende Industrialisierung mit einer dichteren Besiedlung der Vororte, rauchenden Fabrikschloten, Bahnhöfen und die Landschaft zerschneidenden Eisenbahnlinien mit Dampflokomotiven. Ebenfalls thematisiert wurde der Anschluss Nürnbergs mit einem Hafen an den Ludwig-Donau-Main-Kanal.

Dooser Brückkanal (Friedrich Schultheis: Der Ludwigkanal, 1847; Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Nor. K. 158)

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