Sensationell! Geistererscheinungen in Nürnberg im 19. Jahrhundert

Sensationell! Geistererscheinungen in Nürnberg im 19. Jahrhundert

„…und man ist sodann in einer undurchdringlichen Finsternis. Verschiedene sogenannte Geister erblickt nun das Auge des Zuschauers von aller Gestalt und Größe, sie flattern in einem Kreis herum und verschwinden wieder.“ (Johann Konrad Gütle: Magische Belustigungen, Nürnberg/ Altdorf 1797)

Anschlagzettel eines unbekannten Schaustellers (Detail), um 1800 (Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Foto: Susanne Edelmann)

Nürnberg im 18. und frühen 19. Jahrhundert: Wanderschausteller machten auf ihren Touren durch ganz Europa auch in Nürnberg Station. Sie zeigten akrobatische Stücke, exotische Tiere, elektrische Experimente, mechanische Figuren und eben einen ganz besonderen Publikumsliebling: die Geistererscheinung.

Erhaltene Werbematerialien der Schausteller, die wir derzeit in der Stadtbibliothek Zentrum in der Ausstellung „Sensationell!“ zeigen, vermitteln in Wort und Bild eine lebendige Vorstellung vom Ablauf solcher magischen Veranstaltungen. In einem Saal, in dem sich die Zuschauer versammelten, wurde elektrisch Blitz und Donner imitiert, woraufhin die vorhandenen Lichter erloschen. In vollständiger Dunkelheit wurden anschließend mithilfe einer Laterna Magica, einer Art Vorgänger des Diaprojektors, auf kreierten Rauchwolken Personen, Skelette oder Gespenster projiziert. Die gruseligen Erscheinungen tauchten an unterschiedlichen Stellen im Raum auf und verschwanden wieder. Für eine überzeugende Darbietung musste der Vorführende nicht nur über Kenntnisse in den Naturwissenschaften verfügen, er hatte auch die Kunst der Inszenierung perfekt zu beherrschen. War dies der Fall, war solch ein Event für die Zuschauer wohl eine äußert gruselige und zugleich faszinierende Veranstaltung.

Anschlagzettel für eine Vorstellung des Physikers und Optikers Christoph Breitrük in Nürnberg, 1792 (Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Foto: Susanne Edelmann)

Die ausgestellten Werbematerialien der Schausteller vermitteln in Wort und Bild eine lebendige Vorstellung vom Ablauf solcher Geistererscheinungen. Die in Weiß aus dem schwarzem Hintergrund ausgesparten, plakativen Zeichnungen fangen nicht nur das Magische dieser Veranstaltungen ein, sondern beziehen auch die Inszenierung in völlig abgedunkelten, schwarz ausgekleideten Räumen mit ein. Noch bis zum 7. Dezember 2019 können Sie diese und andere spannende, historische Aushänge in der Ausstellung „Sensationell!“ sehen.

Anschlagzettel eines unbekannten Schaustellers, um 1800 (Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Foto: Susanne Edelmann)

„Sensationell! Schausteller in historischen Plakaten aus der Zeit von ca. 1630 bis 1830“ Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg – Stadtbibliothek Zentrum Ebene L2, Ausstellungskabinett Gewerbemuseumsplatz 4, 90403 Nürnberg Montag bis Freitag 11 – 19 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr, Eintritt frei

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