Veranstaltungstipp: Das „Musikalische Opfer“ im Nicolaus-Copernicus-Planetarium

Veranstaltungstipp: Das „Musikalische Opfer“ im Nicolaus-Copernicus-Planetarium

Videokunst trifft auf Johann Sebastian Bach

Unter den letzten Kompositionen Bachs nimmt das „Musikalische Opfer“ eine besondere Stellung ein, denn seine Entstehung ist mit dem preußischen Herrscher Friedrich II., dem „Großen“, verknüpft. Im Mai 1747 besuchte Johann Sebastian Bach den Hof in Potsdam. Bei der abendlichen Kammermusik improvisierte er an einem Pianoforte erfolgreich eine vermutlich drei- oder vierstimmige Fuge über ein von Friedrich II. vorgegebenes Thema, das „Thema regium“ (Königliches Thema). Mit der vom König gewünschten sechsstimmigen Fuge war Bach jedoch unzufrieden, versprach aber, den König alsbald mit ausgearbeiteten Kompositionen für sein „Ungenügen“ zu entschädigen. So entstand ein mehrgliedriges Werk von großer stilistischer Bandbreite, eine Sammlung von überwiegend kontrapunktischen Sätzen (zwei Ricercari, eine Triosonate und zehn Kanons), wobei das „Thema Regium“ dabei fast alle Teile der Komposition durchzieht.

„Musikalisches Opfer“ (hier ist „Opfer“ im Sinne von „Gabe“ gemeint) hat Bach sein Werk betitelt. Es ist eine Herrscherhuldigung, mit Verweis auf das Thema, das der König vorgegeben hatte: „Allergnädigster König, Ew. Majestät weihe ich hiermit in tiefster Untertänigkeit ein Musikalisches Opfer, dessen edelster Teil von Derselben hoher Hand selbst herrühret.“ In diesem monumentalen Spätwerk steigert Bach die Kontrapunktik und die strengen Barockformen Fuge und Kanon zur letzten Perfektion und Komplizierung.

© ensemble KONTRASTE

Im März 2022 ist diese Musik nun in einer besonderen Umsetzung zu erleben: die Live-Darbietung des ensemble KONTRASTE wird kongenial ergänzt durch die kuppelfüllenden Videoprojektionen von Christoph Brech.

Christoph Brech, Jahrgang 1964, ist einer der wichtigsten deutschen Videokünstler, der sich in seinen Projekten immer wieder mit der Visualisierung von Musik und sakraler Thematik beschäftigt. Er wurde für seine Videos und Installationen vielfach ausgezeichnet. Mit dem Planetarium Nürnberg und dem ensemble KONTRASTE verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit. Bereits im Dezember 2011 wurde dort das VideoKunstKonzert „Quatuor pour la fin du temps“ zur Musik von Olivier Messiaen realisiert. Wer es im Planetarium verpasst hat (oder den Unterschied zwischen der Rundumprojektion und der flachen Projektion auf einer ebenen Leinwand kennenlernen will), hat am Samstag, den 19. Februar 2022 in der Tafelhalle Gelegenheit, dieses Stück im Rahmen eines Konzertes zu hören.

Brechs Herangehensweise ist eher assoziativ als narrativ. Er bebildert die Musik nicht in einem herkömmlichen Sinn, sondern sucht nach Verknüpfungen und Verbindungen So findet Brech analog zu den oft sehr kurzen Musikstücken überraschende Bilder stellarer oder planetarer Konstellationen – poetisch und verzaubernd. Seine Herangehensweise bei diesem Projekt beschreibt er selbst so:

„Die Musik von Johann Sebastian Bach höre ich mit Abstand am Meisten und kann sie auch in fast jeder Stimmung und Gemütslage hören. Das „Musikalische Opfer“ kannte ich daher bereits relativ gut. Ich habe mich also zuerst mit den historischen Fakten vertraut gemacht. Die sind gut dokumentiert. Es gibt auch den wunderbaren Film „Mein Name ist Bach“ von Dominique de Rivaz über das spannungsgeladene Zusammentreffen von Johann Sebastian Bach und König Friedrich II. von Preußen im Mai 1747. Nachdem ich den Film mehrmals gesehen habe, habe ich mich entschlossen, das Historische komplett außen vor zu lassen und mich zuerst einmal auf die Musik zu konzentrieren. Da es eine Produktion für das Planetarium ist, lag es nahe, Bachs Komposition mit Sternenkonstellationen in Verbindung zu bringen. Die Beschäftigung mit beidem brachte erstaunliche Koinzidenzen. Als Beispiel sei hier Bachs Krebskanon genannt, zudem ich Bilder einer Supernova mit anschließendem Krebsnebel zeigen werde. Bachs Krebskanon besteht aus einer Notenlinie, die jeweils von vorne und gleichzeitig von hinten her gespielt wird – mein in die Kuppel projizierter Film dazu nimmt genau diese von Bach vorgegebene Spielweise auf, er läuft gleichzeitig vorwärts und rückwärts. Für den Anfang und das Ende, also die beiden Ricercare, sowie für die viersätzige Triosonate in der Mitte des Musikalischen Opfers habe ich mir noch ganz andere Bilder überlegt, die mit den Himmelserscheinungen nichts zu tun haben. Einen Irrgarten und ein Labyrinth – und Dürers Sternbilder kommen augenzwinkernd auch noch vor. Die Gefahr ist groß die Musik zu „übertönen“ – In der Kuppelprojektion muss man in Verbindung mit Kammermusik noch vorsichtiger umgehen mit dem Bildmaterial.“

Christoph Brech

Das ensemble KONTRASTE (eK) ist seit mehr als 30 Jahren wichtiger Impulsgeber und fester Bestandteil der Nürnberger Kulturlandschaft und Musikszene. So erhielt es, neben anderen Auszeichnungen, 2020 den großen Kulturpreis der Stadt Nürnberg. Seit 2011 verbindet die Konzertreihe „Kunst unter der Kuppel“ das ensemble KONTRASTE mit dem Nürnberger Planetarium. Die erfolgreiche Reihe bietet künstlerische Visualisierungen, die die speziellen Möglichkeiten der Rundumprojektion des Planetariums nutzen, mit der qualitätvollen Live-Musik des ensemble KONTRASTE.

Das „Musikalische Opfer“ hat am Freitag, den 11. März 2022 um 20 Uhr Premiere. Weitere Aufführungen folgen am Samstag, den 12. März 2022 um 20 Uhr und Sonntag, 13. März 2022 um 17 Uhr. Tickets kosten 16 Euro bzw. ermäßigt für Jugendliche und Studierende 12 Euro und sind auf der Website des Bildungszentrums oder der Website des Nicolaus-Copernicus-Planetariums sowie an der Abendkasse erhältlich.

Es spielen Anke Trautmann · Flöte; Jessica Hartlieb · Violine; Beate Altenburg · Violoncello und Ralf Waldner · Cembalo

Das ensemble KONTRASTE © ensemble KONTRASTE

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