„Wir haben mit unseren Bibliotheken ein sehr gutes Angebot für die Bevölkerung”

„Wir haben mit unseren Bibliotheken ein sehr gutes Angebot für die Bevölkerung”

Oberbürgermeister Marcus König gratuliert zum besonderen Jubiläum

OB Marcus König ist Fan von Franken-Krimis – und der Stadtbibliothek Nürnberg.

Die Stadtbibliothek besteht seit 650 Jahren. Warum ist das Modell einer öffentlichen Stadtbibliothek noch zeitgemäß?
Marcus König: Die Stadtbibliothek mit ihren jährlich rund einer Million Besucherinnen und Besuchern ist ein Zentrum des öffentlichen Lebens in der Stadt. Es war noch nie wichtiger als heute, wirklich für alle Bevölkerungsgruppen Bildung und Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Werte wie Toleranz, Weltoffenheit und Demokratie können nur mit Leben gefüllt werden, wenn jeder einzelne Mensch – gleich welcher Kultur, Altersgruppe oder sozialer Situation – die Möglichkeit hat, die Welt, die Gesellschaft und nicht zuletzt auch sich selbst zu verstehen. Die Stadtbibliothek ermöglicht ein lebensbegleitendes Lernen und dadurch eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

Die Bibliothek ist seit einigen Jahren Bestandteil des Bildungscampus Nürnberg. Hat sich der Zusammenschluss der Bildungseinrichtungen bewährt?
Oft geht es gemeinsam besser als alleine. Und das gilt, denke ich, auch für den Bildungscampus. Die Stadtbibliothek, das Bildungszentrum und das Planetarium haben viel gemeinsam, denn alle drei Einrichtungen bringen in unserer Stadt allen Bürgerinnen und Bürgern die Themen Bildung, Information, Medien und Kultur nahe. Deshalb war und ist es sinnvoll, dass diese drei Häuser ein gemeinsames Dach haben. Als größere Organisation kann der Nürnberger Bildungscampus sich auch besser auf Landes- und Bundesebene in die Entwicklungen der öffentlichen Weiterbildung und der Bibliotheken einbringen.

Der breite und kostengünstige Zugang zu Bildung ist ein hohes Gut. Deswegen sind die Ausleihgebühren relativ niedrig. Kann sich Nürnberg das noch leisten?
Der Haushalt der Stadt steht natürlich vor großen Herausforderungen – umso mehr durch die Situation mit Corona. Doch wir werden alles dafür tun, dass auf die Bürgerinnen und Bürger hier im Bereich der Stadtbibliothek keine weiteren Gebühren zukommen.

Die städtischen Bibliotheken sind voller gedruckter Bücher und DVDs. Müsste mehr in digitale Medien investiert werden?
Ich sehe die Digitalisierung als eine große Chance. Wichtig ist auch, dass wir die digitalen Angebote niedrigschwellig halten, so dass ein Zugang für alle möglich ist. Wir wollen auf dem Weg zur Digitalisierung niemanden verlieren, sondern möglichst alle Menschen mitnehmen. Wir bieten ja in der Stadtbibliothek auch schon eine große Zahl an digitalen Möglichkeiten und Medien, die vielleicht vielen Menschen noch gar nicht so bekannt sind.

Die Aufenthaltsqualität ist ein relativ neuer Pluspunkt der öffentlichen Bildungseinrichtungen. Reicht das Angebot an solchen geschützten Lernorten aus?
Hier gilt natürlich: Je größer und flächendeckender das Angebot, desto besser. Ich glaube aber, dass wir mit der Bibliothek im Zentrum und mit den weiteren sechs Bibliotheken in den Stadtteilen schon ein sehr gutes Angebot für die Bevölkerung haben. Und wenn die aktuellen Einschränkungen durch Corona gelockert werden, stehen auch wieder alle Möglichkeiten zur Verfügung.

Sie selber lesen überwiegend digitale Medien, aber auch noch gedruckte Bücher. In welcher Situation greifen Sie denn zu einem Buch?
Da im Normalfall neben der Arbeit wenig Zeit bleibt, ist die Urlaubszeit klassischerweise die Situation, in der ich zu analogen Büchern greife. Dann kann ich mich wirklich vertiefen und in das jeweilige Buch eintauchen.

Welche Autorinnen und Autoren bevorzugen Sie?
Ich mag zum Beispiel sehr gerne die Franken- Krimis von Jan Beinßen. Seine Krimiserie um den Fotografen Paul Flemming spielt ja in Nürnberg und so ein bisschen Lokalkolorit hat schon etwas sehr Reizvolles, wenn man die Orte, die einem selbst so gut bekannt sind, in einem literarischen Werk wiederfindet.

Gibt es einen Autor oder eine Autorin, die Sie gerne einmal live erleben würden?
Sehr gerne hätte ich einmal den leider bereits verstorbenen Harry Rowohlt live erlebt – die Stimme, der Humor. Ich habe von ganz tollen Lesungen gehört. Schade, dass das nicht mehr möglich ist.

Interview: Petra Nossek-Bock
Foto: Stadt Nürnberg/Christine Dierenbach

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