Abschied vom Abstieg, Buchvorstellung Herfried und Marina Münkler

Abschied vom Abstieg, Buchvorstellung Herfried und Marina Münkler

Moderatorin Dr. Anne Wasmuth, Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Marina Münkler und BZ Fachteamleiterin Gesellschaft und Kultur Dr. Karla Görner-Schipp bei der Veranstaltung am 6. Februar im Fabersaal (v. l. n.r.)

Die Professorin für Literaturwissenschaft an der TU Dresden Marina Münkler und ihr Ehemann Herfried Münkler, Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität Berlin, stellten am 6. Februar 2020 einem interessierten Publikum im Fabersaal des Bildungszentrums der Stadt Nürnberg ihr Buch „Abschied vom Abstieg, Eine Agenda für Deutschland“ vor.

Nach Marina Münkler sind Narrative Erzähl- und Wahrnehmungsmuster und prägen die Wahrnehmung der Menschen. Während die Linke vom Abstieg und die Rechte vom Niedergang reden, fehlt der Mitte ein Erzählmuster dass Zuversicht ausstrahlt.

Trotz positiver ökonomischer Daten spaltet sich die Gesellschaft immer weiter auf. Das Verschwinden der eingeübten Routinen und herkömmlicher Werte machen den Menschen Angst und stärken die Furcht vor Ungewohntem, Neuem und Fremdem, was Populisten und Ideologen ein leichtes Spiel bereitet und Angriffspunkte bietet.

Narrative produzieren in Zeiten sozialer Medien nach Herfried Münkler Zeitdruck. Es wird erwartet, dass auf jede Herausforderung sofort kommuniziert und reagiert werden muss.  Die „Faktizität und Narration“ drohen in der liberalen Demokratie aus der Balance zu geraten.

Gefordert ist die Urteilskraft der Bürgerschaft zu stärken und die emotional aufgeladenen Wutbürger und „missmutigen Politkonsumenten“  aus ihrer Ecke herauszuholen und in politisch aktive Bürger zu verwandeln. Plebiszite sind nach Herfried Münkler für Deutschland jedoch nicht das Gebot der Stunde. Sie erfordern hohen Zeitaufwand und können zu Blockaden und weiteren Spaltungen führen. Herfried Münkler schlug stattdessen vor, beispielsweise im kommunalen Umfeld per Losverfahren Bürgerkomitees auf begrenzte Zeit zu bilden, in denen die Bürgerinnen und Bürger Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. Bürgergremien mittels Losverfahren machen ernst mit der Frage der Partizipation und verdeutlichen, dass „Politik das Bohren von harten Brettern“ ist und der Respekt der Bürgerschaft über Multiplikatoren in der Öffentlichkeit gestärkt werden kann und mittelfristig die politische Urteilfähigkeit der Bürgerinnen und Bürger steigt.  

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