Der Pegnesische Blumenorden hat einem Multitalent viel zu verdanken
Symposion und Ausstellung erinnern an Sigmund von Birken
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Nahe Kraftshof befindet sich seit mehr als 300 Jahren der Irrhain des Pegnesischen Blumenordens. Das Naturdenkmal – ein Wäldchen mit uralten Bäumen, verwunschenen Wegen, Gedenksteinen und einer Hütte – ist vielen in Nürnberg bekannt. Ebenso der Blumenorden, eine Sprachgesellschaft, die seit der Barockzeit ununterbrochen exisitiert und sich der Literatur und Dichtung widmet. Benannt ist der Pegnesische Blumenorden nach der Pegnitz. Nürnbergs Zweite Bürgermeisterin Julia Lehner, Oberbürgermeister Marcus König und Schriftsteller Ewald Arenz zählen aktuell zu den bekanntesten Mitgliedern.
Der berühmte Dichter, Übersetzer und Publizist Sigmund von Birken (1626-1681) hingegen, der zweite und wichtigste Präses des Pegnesischen Blumenordens und Bestseller-Autor seiner Zeit, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Anlässlich seines 400. Geburtstages widmet ihm der Pegnesische Blumenorden in Kooperation mit der Stadtbibliothek ein Symposion und eine Ausstellung. Die Bedeutung Sigmund von Birkens wird klar, wenn man sich seinen reichen Nachlass anschaut. Mehr als 3.000 Schriftstücke lagern allein im Archiv des Pegnesischen Blumenordens: Urkunden, Manuskripte, Briefe, Tagebücher. Diese werden seit 1948 als Depositum im Historischen Archiv des Germanischen Nationalmuseums aufbewahrt. Auch in der Bibliothek des Museums sowie im Magazin der Stadtbibliothek befinden sich zahlreiche gedruckte Originalwerke des Dichters, darunter das klassische Latein- Schulbuch seiner Zeit, „Orbis Pictus“ (Welt im Bild), für das Sigmund von Birken die deutsche Übertragung vollständig verfasste und das bis ins 19. Jahrhundert als Lehrbuch verwendet wurde.
„Handverlesene Exponate über sein Leben und Wirken aus den Beständen des Germanischen Nationalmuseums und unserer Stadtbibliothek werden in 17 Glasvitrinen zur Schau gestellt, darunter das bekannte Lehrbuch, aber auch Aquarelle und handgeschriebene Dokumente“, erklärt Dr. Christine Sauer, Leiterin der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek. Mit ihr gemeinsam bringt Dr. Frauke Bayer, Vizepräses des Pegnesischen Blumenordens, derzeit die Ausstellung über Sigmund von Birken auf den Weg. Die beiden Kunst- und Literaturhistorikerinnen haben sich – unterstützt von der externen Expertise des Birken-Spezialisten Prof. Dr. Hartmut Laufhütte – intensiv mit dem Dichter und Publizisten auseinandergesetzt und sind fasziniert von seinem Facettenreichtum.

1626 in Böhmen als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren, kam Sigmund von Birken als Kleinkind mit seinen Eltern nach Nürnberg. Seine Familie musste Böhmen wegen der dort betriebenen Gegenreformation verlassen. In Nürnberg ging er in die Lateinschule des Heilig-Geist-Spitals und später in die Egidienschule. Ein Jurastudium in Jena brach der Schöngeist ab und kehrte über berufliche Umwege zurück in die Noris, wo er sich fortan dem Dichten widmete. Denn das war es, wozu er sich berufen fühlte. Von Birken starb 1681 in Nürnberg und ist auf dem Johannisfriedhof begraben.
„Man kann von Birken als einen frühen Vertreter der Frauenrechte bezeichnen, womit er seiner Zeit weit voraus war“, erklärt Frauke Bayer, und verweist auf einen Vortrag hierzu beim Symposion. Während seiner Präsidentschaft des Pegnesischen Blumenordens (1662 bis 1681) nahm von Birken 14 Frauen in den Orden auf und unterstützte sie in ihrem literarischen Schaffen.
Unter der Leitung Sigmund von Birkens stieg die Mitgliederzahl um ein Vielfaches an. Inzwischen kam der Dichterkranz im Irrhain zusammen, der dem Orden als Versammlungsort von der Stadt „zum ewigen Lehen“ überlassen wurde. Die Dichterinnen und Dichter verfassten unter von Birkens Federführung hunderte „Schäfergedichte“, also romantische und naturbezogene Reime. Es sollte noch rund 350 Jahre dauern, bis eine Frau in eine Leitungsfunktion des traditionsreichen Blumenordens gelangte, nämlich Frauke Bayer, die seit Mai 2025 dem gemeinnützigen Verein mit rund 150 Mitgliedern (circa die Hälfte davon Frauen) als Vizepräses vorsteht. Zu den Aktivitäten des Vereins zählen neben zahlreichen Vorträgen und Lesungen das jährlich stattfindende Irrhainfest und seit 2018 die Verleihung des Literaturpreises „Goldender Blumentopf“.
Weitere Informationen zur Ausstellung sind hier zu finden.
Text: Susanne Stemmler