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Abendliches Schmökern zwischen Regalen: Neue Freiheit für Lesefreudige

Längere Öffnungszeiten und mehr Flexibilität in Open Library Langwasser

Gast Autor*in |

Stadtbibliothek

Bei der „offenen Bibliothek“ ist der Name Programm: Seit dem 17. September können Kundinnen und Kunden der Stadtteilbibliothek Langwasser länger und damit flexibler in Romanen, Zeitschriften und
Kinderbüchern schmökern, obwohl kein Personal anwesend ist. Denn die im Gemeinschaftshaus am Heinrich-Böll-Platz integrierte Bibliothek führt als erstes Haus der Stadt Nürnberg die „Open Library“ ein. Das Konzept der „offenen Bibliothek“ stammt aus Dänemark. Dort nutzen Kommunen bereits seit Jahren diese Betriebsform, um trotz beschränktem Personalbudget einen Zugang zu Medien zu ermöglichen sowie durch längere Öffnungszeiten Flexibilität etwa für Arbeitende zu gewährleisten. Für die Kundinnen und Kunden der Stadtteilbibliothek Langwasser haben künftig dienstags bis freitags von 18 bis 22 Uhr sowie bereits jetzt an Samstagen von 10 bis 15 Uhr des Gemeinschaftshauses, ohne dass Personal in der Bibliothek zu dieser Zeit anwesend ist – möglich ist ein Zugang für Jedermann ab 16 Jahren in Besitz eines Bibliotheksausweises, Kinder erhalten in Begleitung Erwachsener Einlass. Patricia Heilenz, seit 2009 Leiterin der Zweigstelle, freut sich ebenso wie ihre sechs Kolleginnen über das Zusatzangebot. Bisher habe sie durchweg positive Resonanz erhalten. Von einer alleinerziehenden Mutter etwa, die den Bibliotheksbesuch nun nicht mehr in die eng getaktete Woche zwängen muss. Oder von einem Schüler, der es begrüßt, bald die ruhigen Abendstunden zum Lernen nutzen zu können. Die technischen Voraussetzungen, die eine „offene Bibliothek“ bedingen, wurden im Zuge der Sanierung des 1969 errichteten Gemeinschaftshauses geschaffen. Wer künftig das Haus betritt, findet im ersten Stock ein Zugangsterminal, durch das sich mithilfe des Bibliotheksausweises die Tür öffnen lässt. In aller Ruhe können sich Interessierte dann umsehen. 24.000 Bücher, Zeitschriften, Musik-CDs, Toni-Figuren, Brett- und Konsolenspiele hat die Bibliothek im Repertoire, ausgenommen der drei letzteren können alle auch während der erweiterten Öffnungszeiten entliehen und an Ausleihautomaten verbucht werden.

Open Library Langwasser
In der modernen Bibliothek bedienen die Kunden den Ausleihautomaten selbst. / © Uwe Niklas

Angst vor Diebstahl hat Zweigstellenleiterin Heilenz nicht. Die Erfahrungen aus Skandinavien oder Einrichtungen wie in München oder Fürth hätten gezeigt, dass die Zahl entwendeter Medien sich durch das Konzept nicht erhöhe. Jedes Buch sei eigens gesichert, ein nicht am Terminal verbuchtes Buch löst somit am Ausgang Alarm aus. Außerdem sorgen Kameras im gesamten Bibliotheksbereich – sie alle wurden in Übereinstimmung mit den Datenschutzrichtlinien installiert – für Sicherheit. Völlig allein im Gemeinschaftshaus werden die Besucher der Bücherei in den Abendstunden oder samstags ohnehin auch künftig nicht sein. Da sich die „Open Library“ an den Öffnungszeiten des Hauses orientiert – im Erdgeschoss ist hier das Amt für Kultur und Freizeit angesiedelt, in zwei Sälen sowie mehreren Gruppenräumen finden EDV-, Sprachoder Bewegungskurse sowie Ausstellungen, Konzerte und Kinoabende statt – befindet sich immer mindestens ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin im Gebäude. Sollte also jemand etwa tief in ein spannendes Buch versunken die Lautsprecherdurchsage überhören, die an die Schließung um 22 Uhr erinnert, muss auch er oder sie keine Nacht zwischen Shakespeare und Suter verbringen. Um ihre Jobs bangen müssen die Bibliothekarinnen und Bibliothekare indes nicht, da zum Beispiel auch Leseförderung, Veranstaltungen und nicht zuletzt die Neuanmeldungen von Kunden zu deren Arbeitsalltag gehören. Perspektivisch für die kompletten Ausleihzeiten auf Personal zu verzichten, ist daher
laut Heilenz keine Option: „Unsere Kunden schätzen unsere Beratung. Sie fragen nach Buchtipps oder bitten um Recherchen. Wenn nur noch ein Automat zur Ausleihe bereitstünde, würde die persönliche Betreuung den Leuten fehlen.“

Text: Nicole Netter

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