Wo Eltern auf nahezu alle Fragen eine Antwort bekommen
Stadtbibliothek verfügt über großen Bestand an Ratgeberliteratur
Gast Autor*in |
Die Elternbibliothek in der Stadtbibliothek am Gewerbemuseumsplatz trifft den Nerv der Zeit: rund 820 Medien, eine hohe Nachfrage und eine Leserschaft, die Antworten auf die großen Fragen des Familienalltags sucht.
Erinnern Sie sich noch an „Super Nanny“? Die Sendung lief ab 2004 mehrere Jahre im Privatfernsehen. Pädagogin Katharina Saalfrank wurde zu verzweifelten, oft überforderten Eltern gerufen und gab Tipps rund um die Erziehung der Sprösslinge. Seither, so Sonja Weinreich, habe das Interesse an pädagogischer Literatur stetig zugenommen. Sonja Weinreich arbeitet seit vielen Jahren in der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, ist heute im Fachteam Sachmedien tätig und in dieser Rolle auch für die Elternbibliothek mitverantwortlich.
Die Elternbibliothek gibt es seit 2021. Wer die Stadtbibliothek Zentrum am Gewerbemuseumsplatz betritt und rechts Richtung Zeitungs-Café auf der Ebene K1 abbiegt, kommt direkt daran vorbei. Die Elternbibliothek ist in einem kleinen separaten Bereich untergebracht, mit Sitz- und Spielgelegenheiten für Kleinkinder.
Wie sinnvoll deren Einrichtung war, zeigt das positive Besucherfeedback. „Unsere Leseecke in der Elternbibliothek wird gut besucht, hier können Eltern in Ruhe in der breit gefächerten Literatur stöbern“, sagt Sonja Weinreich.
Denn viele suchen heute mehr denn je Orientierung, möchten sich informieren, vergleichen, ausprobieren und ihren Horizont erweitern, wenn es um ihre Kinder geht. In den Regalen der Stadtbibliothek stehen Bücher, die sich etwa um Kinderkrankheiten und Ernährung, um frühkindliche Förderung, Freizeitgestaltung, KI und Pubertät drehen.

Rund 820 Medien umfasst der Bestand, der sich bewusst von der klassischen Systematik der Sachliteratur gelöst hat. Statt Erziehungsratgeber bei Pädagogik, Kinderkrankheiten bei Medizin oder Bastelideen bei Freizeit zu suchen, stehen seit nunmehr fünf Jahren alle Titel gemeinsam in dem eigenen Bereich auf K1. „Eltern wollen nicht lange suchen, sondern schnell das finden, was ihnen im Alltag weiterhilft“, erklärt Sonja Weinreich.
Dass der Bedarf an pädagogischen Inhalten in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist, zeigt auch ein Blick auf den Buchmarkt. Lange Zeit fristeten Erziehungsratgeber ein Nischendasein. Erst Formate wie „Super Nanny“ rückten das Thema stärker ins Bewusstsein. Der eigentliche Boom setzte dann etwas später ein: Mit dem Wandel des Erziehungsverständnisses in der jüngeren Elterngeneration wuchs das Interesse an alltagsnahen, wissenschaftlich fundierten und zugleich emotional zugänglichen Ratgebern.
Ein Wendepunkt war 2016 der Bestseller „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“ von Danielle Graf. Seitdem dominieren Themen wie bedürfnisorientierte Erziehung, Bindung, Resilienz, Selbständigkeit oder Medienkompetenz die Regale im Buchhandel – und in der Elternbibliothek.
Einen weiteren Schub habe das Thema auch durch Influencer und Podcasts bekommen, ergänzt Sonja Weinreich. Besonders gefragt sind daher die Titel von Autorinnen und Autoren, die etwa über Social Media eine große Reichweite erzielt haben. Dazu gehören der Kinderarzt Herbert Renz Polster, die Journalistin Nora Imlau, die Familienberaterin Susanne Mierau, der ehemalige Skirennläufer Felix Neureuther oder der dänische Familientherapeut Jesper Juul. Sie wurden durch die Erwähnung auf zahlreichen Internet-Blogs oder von „Momfluencerinnen“ so populär gemacht, dass die Ausleihzahlen in Nürnberg stark nach oben gingen – und die Verantwortlichen der Stadtbibliothek diese Bücher regelmäßig für die Elternbibliothek sogar nachkaufen müssen.
Text: Melanie Kunze