Skip to main content

Das schnelle Universum

Die Vorgänge im Kosmos spielen sich oft auf sehr langen Zeitskalen ab. Es kann Jahrhunderttausende dauern, bis sich aus Gas und Staub Sterne gebildet haben.

Klaus Herzig |

MINT

Die Entwicklung der Sterne und Galaxien verläuft in Zeitdauern von Millionen oder gar Milliarden Jahren. Aber es kann auch ganz schnell gehen. Dazu zwei Beispiele.

Wenn zwei Neutronensterne oder gar zwei Schwarze Löcher verschmelzen, geht das am Ende sehr schnell. Dabei werden gewaltige Mengen an Energie frei – innerhalb von Sekunden so viel wie die Sonne während ihrer ganzen Lebenszeit von ca. 15 Milliarden Jahren abgibt. Am 9. Oktober konnte wieder ein lichtblitz dieser Art beobachtet werden. da die Energie vornehmlich in der kurzwelligen Gammastrahlung ausgestrahlt wird, nennt man den Vorgang auch einen Gammastrahlenausbruch oder englisch Gamma Ray Burst (GRB). Der GRB vom 9. Oktober war der hellste, der je beobachtet wurde. Dabei wurden Gammateilchen emittiert, die über extrem hohe Energien verfügten. Deren Energie war so hoch, dass sie kurzzeitig sogar die Messinstrumente mehrerer Weltraumteleskope außer Gefecht setze und zu Turbulenzen in der oberen Atmosphäre der Erde führten, wodurch Störungen der langwelligen Radiokommunikation ausgelöst wurden. Der Ausbruch war wohl deshalb so hell, weil der Ort der Entstehung „nur“ ca. 2,4 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt lag.

Entwicklung von Sternen
Gammastrahlenausbruch oder englisch Gamma Ray Burst (GRB). / © International Gemini Observatory/NOIRLab

Auch wenn dieser Ausbruch jetzt nicht wirklich gefährlich für die Erde war. muss einem die Heftigkeit zu denken geben. Denn die Strahlenbelastung in der Galaxie, in der der Ausbruch stattfand, muss immens gewesen sein. Gammastrahlung ist hochschädlich für Körpergewebe. Möglicherwies hat der GRB also in seiner Heimatgalaxie eventuell vorhandenes Laben vernichtet. und solche Ausbrüche können im Prinzip auch in unserer Milchstraße und damit in Entfernungen von nur Tausenden Lichtjahren stattfinden. Keine angenehme Vorstellung.

Eine angenehmere Sache ist da doch unser Mond, vor allem wenn „süß das Mondlicht auf dem Hügel schläft“, wie William Shakespeare dichtete (in der Übersetzung von Herder).

Entstehung des Mondes
Der Entstehung des Mondes liegt eine bestimmte Theorie zu Grunde. / © Dr. Jacob Kegerreis/Nasa

Für die Entstehung des Mondes wird seit geraumer Zeit folgende Theorie bevorzugt: Vor ca. 4,5 Milliarden Jahren stieß die damals wohl noch heißglühende Erde mit einem etwa marsgroßen anderen Himmelskörper zusammen, der Theia genannt wird. Je nach Einschlagswinkel und Geschwindigkeit von Theia ergeben sich verschiedene Szenarien, die aussagen, wie viel Masse aus der Erde herausgeschlagen wurde und vieles mehr. Denn seit die Astronauten Mondgestein zur Erde zurückbrachten, weiß man, dass es in der Zusammensetzung irdischem Gestein sehr ähnelt. Die äußeren Schichten des Mondes entstanden also offenbar hauptsächlich aus Material, das bei der Kollision aus der Erde herausgeschlagen wurde. Jetzt würde man ja wahrscheinlich vermuten, dass es tausende, hunderttausende oder Millionen Jahre gedauert haben dürfte, bis sich das Erdmaterial und die Überbleibsel von Thea zum Mond vereinigt haben. Eine neue Simulationsrechnung kommt aber zu einem ganz anderen Ergebnis: Der Mond bildete sich tatsächlich innerhalb von nur Stunden. Man hätte der Mondentstehung also zuschauen können. Manchmal geht es eben auch im Universum ziemlich schnell.

Wenn Sie den Artikel mögen?

Teilen Sie den Artikel mit Ihren Freunden