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Der Stern von Bethlehem

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, ist auch die Gelegenheit, sich mit dem berühmten „Stern von Bethlehem“ zu befassen.

Klaus Herzig |

MINT

In allen Religionen finden sich Bezüge zu Ereignissen am Himmel, wobei oft die Sphäre des Himmlischen als Ort des Göttlichen angesehen wird. Die Bibel macht hier keine Ausnahme. Kalendarische Angaben, symbolische Zahlen mit astronomisch/astrologischer Bedeutung, Sternbilder, insbesondere Tierkreissternbilder, besondere Himmelsereignisse wie Sonnen- und Mondfinsternisse, Kometenerscheinungen, die Beobachtung der Planeten und ihre besonderen Stellungen gibt es an verschiedenen Stellen sowohl im Alten als auch im Neuen Testament. Das bekannteste dürfte der „Stern von Bethlehem“ sein, der nach der Weihnachtsgeschichte des Apostels Matthäus die drei Weisen aus dem Morgenland zur Geburtsstätte von Jesus Christus geführt haben soll. Für ihn wurden in den vergangenen Jahrhunderten verschiedene astronomische Ereignisse als Erklärung vorgeschlagen.

Schon in der Antike hat man im Stern von Bethlehem einen Kometen gesehen. Auch auf vielen Bildern, wie auf dem berühmten Fresko von Giotto di Bondone von 1305, ist seit dem Mittelalter oft ein Komet dargestellt. Es gibt jedoch keine historischen Aufzeichnungen über einen hellen Kometen, der in den Jahren zwischen 7 und 4 vor Christus zu sehen war. Die Geburt von Jesus fand nämlich nicht im Jahre 1 statt, sondern schon einige Jahre vorher, da man sich bei der Berechnung des Geburtsdatums um ein paar Jahre vertan hatte. Gegen die Kometentheorie spricht auch, dass Kometen damals und auch später noch eher als Unglücksbringer angesehen wurden. Das passt nicht zu einem so freudigen Ereignis wie der Geburt des Messias.

Stern von Bethlehem
Eine berühmte Darstellung des Weihnachtssterns von Giotto: „Die Anbetung der Könige“ mit einem Kometen über dem Stall / © Giotto: gemeinfrei

Eine andere Theorie interpretiert den Stern von Bethlehem als Supernova, also als Explosion eines massereichen Sterns, der dadurch sehr hell aufleuchtet. Eine solche Sternexplosion wäre aber nur für wenige Tage sichtbar. Außerdem gibt es für den entsprechenden Zeitraum keine Hinweise auf ein solches Ereignis.

Als Erklärung für den Stern von Bethlehem wird daher mit Bezugnahme auf den Astronomen und Astronomiehistoriker Konradin Ferrari d’Occhieppo oft eine dreifache Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn angenommen Sie ist sehr selten, trat aber im Jahr 7 vor Christus auf. Eine solche Begegnung wird auch Konjunktion genannt. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten näherten sich die Bahnen der Planeten Jupiter und Saturn erst an, entfernten sich dann wieder, um danach erneut aufeinander zuzulaufen. Drei dieser Konjunktionen gab es, und immer befanden sich die Planeten dabei im Sternbild Fische. Im November hätte man sie kurz vor Sonnenuntergang direkt vor Augen gehabt, wenn man von Jerusalem in das 10 Kilometer entfernte Bethlehem geritten wäre. Gegen diese Theorie spricht allerdings, dass sich die beiden Planeten am Himmel niemals so nahekamen, dass sie zu einem gemeinsamen Lichtpunkt verschmolzen wären.

Mit dieser dreifachen Begegnung bringt Ferrari d’Occhieppo auch die drei Weisen aus dem Morgenland oder Babylon in Verbindung. Für die Astronomen damals war nämlich nicht nur die Beobachtung eines Himmelsschauspiels wichtig, sondern auch seine Deutung. Planeten waren nicht allein Himmelskörper, sondern Götter, und der Himmel die direkte Entsprechung der Geschehnisse auf der Erde. Laut seiner Theorie stand Jupiter, dieser hell glänzende Lichtpunkt, der im Winter eindrucksvoll zu sehen ist, für den höchsten babylonischen Gott Marduk. Der Planet Saturn entsprach in Babylonien dem Gott Kajmanu, der mit dem König von Israel in Verbindung gebracht wurde. Das Sternbild Fische, in dem die Konjunktionen stattfanden, war der himmlische Ort des Landes Israel. Ein babylonischer Astronom könnte das so deuten: In Israel wurde ein neuer König geboren und der König von Babylon soll einen Botschafter senden, um ihm zu huldigen. Diese Zuschreibungen sind allerdings unter Astronomiehistorikern nicht unumstritten.

Stern von Bethlehem
Die Weisen aus dem Morgenland (Mosaik in der Kirche Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna, entstanden um das Jahr 565) / © José Luiz Bernardes Ribeiro

Ob sich tatsächlich jemand in Babylon auf den Weg nach Bethlehem machte, ist ohnehin ungewiss. Denn die Geschichte könnte auch rein symbolisch sein und ohne Bezug zu einem realen Ereignis. Sie dient ja hauptsächlich dazu, die Außergewöhnlichkeit von Jesus Christus zu dokumentieren, indem sie Prophezeiungen aus dem Alten Testament über das Erscheinen des Messias mit der Person Jesu verknüpft. Aber wir hören die Geschichte jedes Jahr zur Weihnachtszeit immer wieder gern.

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