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Mit Saft und Gemüt ins All

Während 2023 aus astronomischer Sicht keine großen Schatten vorauswirft, stehen einige Raumfahrtmissionen in den Startlöchern, die wichtige Erkenntnisse versprechen.

Klaus Herzig |

MINT

In diesem Jahr sollen u. a. drei große Weltraummissionen ins All gebracht werden, die sich mit brennenden aktuellen Themen beschäftigen: dem möglichen Leben auf den Eismonden des Jupiters, der Dunklen Materie und der Zusammensetzung von Asteroiden.

Eigentlich schon 2022 sollte die Sonde JUICE auf den Weg gebracht werden. Jetzt ist ein Start des Satelliten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA für April 2023 geplant. JUICEist eine Abkürzung für Jupiter Icy Moons Explorer und wird sich, wie der Name schon sagt, auf den Weg zum Riesenplaneten Jupiter und seinen Eismonden machen. Denn unter den kilometerdicken Eiskrusten vermutet man tiefe Ozeane aus flüssigem Salzwasser, in denen eventuell primitives Leben entstanden sein könnte.  

Auf die ersten Ergebnisse werden wir allerdings noch einige Jahre warten müssen, denn der Weg zum Jupiter ist lang und die Sonde wird erst im Juli 2031 ihr Ziel erreicht haben. Für etwa 3 Jahre wird sie dann den Jupiter umkreisen und dabei auch an den Monden Europa und Callisto vorbeifliegen. Denn auch der Planet Jupiter selbst soll weiter untersucht werden, insbesondere sein Magnetfeld. Danach nimmt die Raumsonde Kurs auf Ganymed. Dieser Mond, der sogar etwas größer ist als der Planet Merkur, besitzt einen Kern aus Eisen und eine dünne Atmosphäre. JUICE wird Ganymed in einer Höhe von nur 500 Kilometern umkreisen. Durch Messungen soll herausgefunden werden, ob sich unter der Eiskruste auch bei Ganymed, wie bei Europa und Callisto vermutet, ein mondumspannender Ozean befindet und in welcher Tiefe er liegt.

Sonde JUICE
JUICE-Mission / © ESA/AOES

Für das dritte Quartal ist der Start des Weltraumteleskops Euclid geplant. Nach einer Flugzeit von etwa einem Monat erreicht es seinen Zielort am Lagrangepunkt L2, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. In der Nähe ist auch schon das James Webb Teleskop stationiert. Für sechs Jahre (oder auch etwas mehr) wird das Teleskop dann Galaxien und Galaxienhaufen beobachten und messen, wie schnell sie sich bewegen. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf die Existenz und die Menge der Dunklen Materie ziehen. Diese kann, da sie nicht leuchtet, nämlich nicht direkt beobachtet werden, soll aber fünf Mal so häufig sein wie die normale Materie. Damit hat sie immensen Einfluss auf die Entwicklung des Universums und auf die Bewegungen der großen Objekte darin. Die Sonde Euclid ist nach dem griechischen Mathematiker Euklid von Alexandria benannt. Er lebte um 300 v. Chr. und gilt als der Begründer der Geometrie. Da die Materie- und Energiedichte des Universums mit seiner Geometrie verknüpft ist, passt der Name der Mission sehr gut zum Forschungsprojekt.

Weltraumteleskops Euclid
Weltraumteleskops Euclid / © ESA/ATG medialab (Sonde); NASA, ESA, CXC, C. Ma, H. Ebeling and E. Barrett (University of Hawaii/IfA), et al. und STScI (Hintergrund)

Im Oktober 2023 will die NASA dann mit der Sonde PSYCHE auch noch einen Asteroiden ansteuern. Im Auge hat sie dabei den Asteroiden (16) Psyche im Visier, der sich zwischen Mars und Jupiter befindet. Es geht dabei weniger um die Abwehr dieser Gesteinsbrocken, wie bei der DART-Mission 2022, sondern um deren Zusammensetzung. Denn Asteroiden könnten viele Metalle enthalten, die sich in mittelfristiger Zukunft vielleicht sogar abbauen ließen. Auch dieser Satellit wird einige Jahre brauchen, um ans Ziel zu gelangen. Ab 2030 soll PSYCHE für knapp 2 Jahre den Asteroiden in unterschiedlichen Entfernungen umrunden und erforschen. Die Zusammensetzung der Asteroiden kann uns außerdem Hinweise auf die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems geben.

In diesem Zusammenhang wird mit Spannung auf eine Probe gewartet, die die Raumsonde Osiris-Rex schon 2020 auf dem Asteroiden Bennu genommen hat. Aber erst im September 2023 wird deren Position zur Erde so günstig sein, dass sie die Probe zur Erde hinabschicken kann. Hoffen wir, dass das Manöver gelingt, und uns dann original Asteroidenmaterial zur Untersuchung zur Verfügung steht.

Sonde PSYCHE
Sonde der NASA Mission PSYCHE / © SSL/ASU/P. Rubin/NASA/JPL-Caltech

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