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Wenn der Funke der Begeisterung auf alle überspringt

Mit Bedacht öffnet Yudania Gómez Heredia das Klavier und streicht vorsichtig über die Tasten. Sie rückt kurz auf dem Stuhl hin und her, um die richtige Position zu finden, bevor sie mit den Händen zum Spielen ansetzt. Mit geschlossenen Augen drückt sie die ersten Tasten und beginnt zu singen. Da öffnen sich ihre Augen – und leuchten.

Gast Autor*in |

Bildungszentrum

Lagerfeuermusik oder Latino-Klänge: Jeder findet das passende Angebot

Mit Bedacht öffnet Yudania Gómez Heredia das Klavier und streicht vorsichtig über die Tasten. Sie rückt kurz auf dem Stuhl hin und her, um die richtige Position zu finden, bevor sie mit den Händen zum Spielen ansetzt. Mit geschlossenen Augen drückt sie die ersten Tasten und beginnt zu singen. Da öffnen sich ihre Augen – und leuchten. Seit diesem Herbst wird sie den Pop-Chor am Bildungszentrum leiten und freut sich riesig: „Das habe ich mir schon immer gewünscht, genau so einen Chor zu leiten.“ Einen erfolgreichen Chor gab es schon einmal. Doch das war vor der Corona-Pandemie. „Es ist schön, dass es jetzt wieder losgeht“, sagt sie. „Singen tut so gut und gerade bei Popmusik ist es toll, dass viele die Lieder aus dem Radio kennen.“

Erfahrung bringt sie jede Menge mit. Schon in ihrer Heimat Kuba hat sie Kinder- und Jugendchöre
geleitet, ebenso wie Kirchenchöre. In Regensburg hatte sie die Leitung eines Posaunenchors und seit Oktober eines Männerchors inne. Aktuell befindet sie sich im Masterstudium: Chorleitung mit Schwerpunkt Orchester an der Hochschule für Musik. Aufgewachsen ist die 26-Jährige in Villa Clara auf Kuba. Dort begann sie, Komposition zu studieren. Ein Austauschprogramm im Studium führte sie von Havanna nach Regensburg. Seit 2014 lebt sie in Nürnberg. In die Wiege gelegt wurde Yudania Gómez Heredia dieser Werdegang nicht. „In meiner Familie sind nicht alle musikalisch“, erzählt sie. „Meine Mutter ist Rechtsanwältin, mein Vater im Militär. Meine Schwester ist Tänzerin.“ Aber die 26-Jährige hat schon in ihrer Kindheit gesungen und das Klavierspielen an einer Musikschule gelernt. „Man muss früh anfangen, viel üben und immer dazulernen“, sagt sie. Selbst mag sie am liebsten Volkslieder aus ihrer Heimat, lateinamerikanische Musik im Allgemeinen und Pop. Ihr Vorbild: Erykah Badu, „eine Mischung aus Neo-Soul, Jazz, Pop, Gospel, Blues und Hiphop“.

 

Yudania Gómez Heredia (rechts) leitet seit kurzem den Pop-Chor am Bildungszentrum.
Yudania Gómez Heredia (rechts) leitet seit kurzem den Pop-Chor am Bildungszentrum. / © Masha Tuler

Wenn sie vom Singen, von Musik, von Chören spricht, strahlt sie und bewegt schwungvoll die Hände mit. „Mir wurde immer gesagt, dass ich viel Temperament und Freude mitbringe und dass das ansteckend ist“, erzählt sie lachend. Sie animiert gern ihre Chormitglieder: „Beim Einsingen bringe ich Bewegung hinein und lasse sie klatschen oder die Hände mitbewegen – das hilft auch bei der Stimmbildung.“ Schon in die Vorarbeit steckt sie viel Energie.
„Die Repertoireauswahl ist entscheidend“, erklärt sie. „Wie viele Frauen- und Männerstimmen hat ihr Chor? Wie hoch kommen die Soprane?“ Die Chorleitung müsse auf die Balance achten und auch Lieder entsprechend des Leistungsniveaus ihres Chors wählen. „Wählt man ein zu schweres oder unpassendes Stück, werden die Sängerinnen und Sänger frustriert“, sagt Gómez Heredia. Die Expertin kennt einige Tricks und Übungen, damit sich der Chor die Melodie und den Text merkt und der Rhythmus ins Blut übergeht. Was ist ihr besonders wichtig? „Dass die Interaktion mit den Teilnehmern da ist, dass die Stimmung passt und alle sich wohlfühlen.“

Gitarrenkurse am Bildungszentrum

„Na, findest du den ersten Ton auf der Gitarre?“, fragt Horst Grimm, Leiter des Gitarrenkurses für Anfänger am Bildungszentrum Nürnberg. „Und jetzt: Alle halten C-Dur fest“, sagt er und nickt seinen Teilnehmenden aufmunternd zu und blickt in die Runde. „Oh, das hat sich gar nicht gut angehört“, sagt ein Teilnehmer lachend und korrigiert seinen Fingergriff. Der Kursleiter blickt durch seine tiefsitzende Brille. „Jetzt hast du`s“, lobt er lächelnd. Der 63-Jährige unterrichtet seit 1982. Früher an einer privaten Musikschule, bevor er zum Bildungszentrum Nürnberg kam. Geige hat er auf Wunsch seines Vaters schon als Kind gelernt und später am Konservatorium perfektioniert. Aber der Nürnberger hat auch gelernt, Akkordeon und Dudelsack zu spielen. Sein Vater spielte Klavier und hatte auch ein Cembalo zuhause. Horst Grimms sieben Jahre älterer Bruder lernte ebenfalls Geige. Zur Gitarre kam Grimm eher zufällig: „Als ich ungefähr 15 Jahre alt war, hatte mein Bruder einen Kumpel, der gerade Schreiner wurde.“ Der Kumpel des Bruders übte das Bleichen von Holz und baute eine Gitarre auseinander, bleichte sie und baute sie wieder zusammen. Horst Grimm erinnert sich: „Die Gitarre bekam mein Bruder als Geschenk, aber sie landete bei uns auf dem Dachboden.“
Grimm holte sie sich, probierte einfach mal aus – und brachte sich das Spielen selbst bei. Ab da war das Instrument sein Begleiter. „Im Freundeskreis haben wir alles Mögliche gespielt und mitgesungen, auch am Lagerfeuer.“ Zum Beispiel Stücke von Udo Lindenberg und John Denver, die er jetzt auch in seinen Kursen gut brauchen kann. Das Vermitteln im Kurs macht ihm am meisten Spaß.

Gitarrenlehrer am BZ: Horst Grimm
Horst Grimm unterrrichtet Gitarre am BZ. / © Masha Tuler

„Es ist mir wichtig, dass ich niemanden verliere. Also dass alle mitkommen und gerne dabei sind“, sagt er. Ein neues Instrument zu lernen, reize einige Erwachsene. „Den Ausgleich mögen viele“, weiß der Kursleiter. Normalerweise sitzen im Kurs alle im Halbkreis, nur pandemiebedingt aktuell in begrenzter Teilnehmerzahl in Stuhlreihen mit corona-konformem Abstand. In den 1980er Jahren bildete Horst Grimm zusammen mit einem Freund und einer Freundin das Trio „Älabätsch“. Als deutsche Folk-Band hatten die Musiker Auftritte in England, Frankreich, Italien und Spanien. „Wir waren damals schon ziemlich viel unterwegs“, erinnert sich der 63-Jährige. Kurse gab er parallel, bis sich die Gruppe irgendwann auflöste. Auch Gitarren hat er schon selbst gebaut – und Dudelsäcke. „Nach einem vierstündigen Auftritt auf einer Hochzeit war das Mundstück meines Dudelsacks sozusagen durchgefault“, berichtet er. Ein neues zu bekommen, hätte ewig gedauert. „Da hab ich gesagt, das mach ich jetzt selbst, und habe losgelegt.“
Ihn freut am meisten, wenn er sieht, „wie viel Freude die Teilnehmer haben, wenn sie das Instrument erlernen und alles klappt.“ Einer seiner Kurse trifft sich weiterhin, einmal im Sommer und kurz vor Weihnachten. „Jeder bringt etwas zum Essen mit – und dann wird zusammen musiziert. Das ist immer witzig. Und manche kopieren extra vorher Noten bestimmter Stücke für alle“, erzählt er. Gemeinsam mit seiner französischen Frau Ella Brusone, die Akkordeon spielt, hat der 63-Jährige bis heute Auftritte. Mit seinem Sohn spielt er leidenschaftlich gern mehrmals pro Woche Geigen-Duette. „Das ist eine schöne Tradition, das macht Spaß.“

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