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Per aspera ad astra

Die Sterne waren nur der Anfang Teil 7

Klaus Herzig |

MINT, Planetarium

Der Weg zum ersten funktionstüchtigen Projektionsplanetarium war wirklich rau und steinig.

Bevor wir uns weiter mit der technischen Entwicklung beschäftigen, ist vielleicht ein kurzer Blick auf den Kontext dieser Zeit angebracht. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs zeichneten sich schon die Roaring Twenties am Horizont ab. Auch die neue Regierungsform der Republik versprach Aufbruch. Im Jahr 1923 wurden in Deutschland die ersten Radioprogramme ausgestrahlt. Das Kino erlebte seine erste künstlerische Blüte mit expressionistischen Filmen, die zum Stilmittel dieser Zeit wurden. Bekannte Titel, nicht unbedingt alle vom Expressionismus geprägt, waren u. a. „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920), „Nosferatu“ (1922) oder „Dr. Mabuse, der Spieler“ (1922). Auch in der Wissenschaft war vieles im Umbruch. Die Astronomen debattierten heftig über die Größe des Universums: gehörten die als „Spiralnebel“ bezeichneten Objekte zur Milchstraße oder waren es eigenständige Objekte weit außerhalb? Die Quantenmechanik stelle ab ca. 1925 das physikalische Weltbild auf den Kopf. Und noch glaubten viele an die Marskanäle und kleine grüne Männchen als deren Schöpfer. Sich von eindrucksvollen Präsentationen des Sternenhimmels faszinieren zu lassen, konnte also zumindest unterhaltsam sein und passte in den Geist der Zeit.

Planetarium im Jena - Bau aus dem Jahr 1922
Planetarium in Jena - Bau 1922 / © Carl Zeiss Stiftung - Jena

In der letzten Folge dieser Reihe hatten wir geschildert, dass sich Oskar von Miller, der Initiator des Deutschen Museums, 1913 mit Carl Zeiss Jena in Verbindung gesetzt hatte, um Ideen zu einem Gerät zu besprechen, dass das geozentrische Weltmodell zeigt. Denn nichts anderes macht ein Projektionsplanetarium, wenn es den Sternenhimmel an die Kuppel abbildet.

Es wird meist nur auf die wichtige Rolle Walter Bauersfeld hingewiesen. Eine andere Person wird dabei oft vergessen. Der wissenschaftliche Direktor von Carl Zeiss Jena war Dr. Rudolf Straubel. Straubel war seit 1901 bei Zeiss tätig und wurde 1903 in diese Position befördert, als er die Nachfolge des berühmten Ernst Abbe antrat, der seit 1899 Alleininhaber von Carl Zeiss Jena gewesen war. Straubel war sehr beschlagen in vielen Bereichen der Physik und verstand sich gut auf deren Vermittlung. Seitdem hatte er bei Zeiss Einblicke in andere Wissenschaften, die Fertigung und die Unternehmensführung gewonnen. Er war von den ersten Gesprächen und Treffen an in die Arbeit an den Planetariumsinstrumenten eingebunden.

Heute ist man sich einig, dass die Verdienste Straubel für die Entwicklung dieser Instrumente und auch für seine vielen anderen Beiträge später durch die Nationalsozialisten geleugnet wurden. Straubel war zwar Protestant, seine Frau Marie, mit der er mehr als 40 Jahre verheiratet war, jedoch Jüdin. Im Jahr 1933 wurde ein lokaler Nazi-Funktionär auf ihre Abstammung aufmerksam und informierte den Vorstand von Carl Zeiss Jena.  Daraufhin wurde Straubel, der selbst dem Vorstand angehörte, von seinen Kollegen, von denen er einige selbst gefördert und in diese Position gebracht hatte, vor die Wahl gestellt, sich entweder von seiner Frau scheiden zu lassen oder zurückzutreten. Er entschied sich für den Rücktritt. Auch nach Ende des Krieges wurde seine Arbeit am Projektionsplanetarium nicht entsprechend gewürdigt und seine wichtige Beteiligung geriet mehr oder weniger in Vergessenheit

Um es vom „Kopernikanischen Planetarium“ zu unterscheiden, dass parallel gebaut wurde und über das ebenfalls im vorherigen Teil berichtet wurde, wurde das Projektionsplanetarium ursprünglich "Ptolemäisches Planetarium" genannt. Später wurde es einfach als "Zeiss-Modell I" bezeichnet. Der Planetariumsprojektor bestand aus einem kugelförmigen Kopf von etwa 50 cm Durchmesser. Darin befanden sich eine 200 Watt starke 220-Volt-Elektrolampe und Gehäuse für einunddreißig optische Linsen, die als Projektoren bezeichnet wurden und jeweils Lichtpunkte projizierten, die etwa 4.500 Sterne und Bilder von Himmelsobjekten darstellten. Die Felder verschmolzen und wurden auf die Decke des Kuppelsaals fokussiert. Einundvierzig weitere Projektoren projizierten den Anschein einer dunstigen Milchstraße. Während der Präsentation konnte der Vortragende Projektoren einschalten, die Linien projizierten, um bestimmte Sterne miteinander zu verbinden, und so auch Sternbilder zu zeigen. Der Zylinder unter dem Globus beherbergte Getriebemechanismen, die der Vorführer aktivieren konnte, um die Planeten auf die Kuppel zu projizieren.

Man kann es eigentlich nicht genug betonen: Die Kuppel ist eine kritische Komponente des Planetariums, um die gewünschte Immersion zu erzeugen. Sie muss die richtige Krümmung und eine glatte Oberfläche aufweisen, damit der Projektor seine Wirkung voll entfalten kann. Es wurden viele verschiedene Ansätze in Betracht gezogen, von denen einige recht konventionell, andere wiederum sehr raffiniert waren. Faktoren wie die Kosten, die Praktikabilität des Baus vor Ort und die Notwendigkeit, dass die Kuppel auch dann haltbar sein muss, wenn die Außenhülle den Elementen ausgesetzt ist, und das alles bei vergleichsweise geringem Gewicht, sprachen für die raffiniertere Lösung.

Zeiss Modell Planetarium München
Zeiss-Modell: Planetarium München / © Carl Zeiss Stiftung - Jena

Der Entwurf der Kuppel wurde 1922 von Walter Bauersfeld und Franz fertiggestellt. Dischinger hatte 1913 seinen Abschluss als Bauingenieur gemacht und arbeitete danach für das Ingenieurbüro Dyckerhoff & Widmann A.G. Sie entwickelten eine Methode zum Bau eines halbkugelförmigen Betondachs. Ein Metallgerüst wurde so konstruiert, dass es eine Reihe von dreieckigen Streben bildete, die die Grundform einer Kuppel bildeten. Dann wurden Holzschalungen angebracht, und schließlich wurde ein spezieller Beton auf die Konstruktion gespritzt. Die Innen- und Außenflächen der Kuppel wurden geglättet, wasser- und schalldicht gemacht und dann gestrichen oder verkleidet. Diese Technik wurde später patentiert, ebenso wie 1922 das Projektionsplanetarium als solches Damit war nun die Zeit gekommen, das Ergebnis der jahrelangen Bemühungen dem Auftraggeber von Miller zu präsentieren.

 

Dieser Beitrag wurde unter Verwendung von Material der Unternehmensgesichte von Carl Zeiss unter www.company7.com/zeiss/history.html  erstellt.

Beitragsbild: Myedit - erstellt mit KI

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