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Alte Fertigkeiten stehen wieder hoch im Kurs

Großes Interesse am Zehn-Finger-Schreiben, Häkeln oder Filzen

Gast Autor*in |

Bildungszentrum

Manche Fertigkeiten scheinen aus der Zeit gefallen zu sein: Goldschmieden, Häkeln oder Latein. Doch wer denkt, dass diese Künste keine Anhänger mehr haben, irrt. „Viele Menschen entdecken spät ihre Talente oder finden Freude daran, kreativ zu sein und Upcycling für sich zu nutzen“, berichtet Andrea Neumann vom Bereich Beruf und Karriere des Bildungszentrums Nürnberg. Auch Latein erfreut sich nach wie vor einer treuen Fangemeinde, denn es bietet einen neuen Zugang zur Geschichte und Sprache. Während Steno-Kurse inzwischen vollständig aus dem Programm verschwunden sind, gibt es eine Fertigkeit, die ungebrochen gefragt ist: Zehn-Finger-Tastenschreiben. 

Früher wurde an der Schreibmaschine geübt, heute am PC – die Technik hat sich geändert, das Bedürfnis ist geblieben. „Erstaunlich ist, dass sich vor allem sehr junge Menschen dafür interessieren", sagt Andrea Neumann. „Oft rufen Eltern an, die verzweifelt sind, weil ihre Kinder am Tablet wischen können, aber sich schwertun, eine Präsentation am PC einzutippen.“ Tatsächlich nutzen viele Jugendliche noch das sogenannte „Adler-Suchsystem“ und haben Schwierigkeiten mit der Tastatur.

Die Kurse setzen hier gezielt an und vermitteln mit einer Lehrmethode, die Sehen, Hören und Fühlen kombiniert, das blinde Tippen spielerisch und effektiv. Die Teilnehmenden lernen nicht nur alle Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen zu bedienen, sondern auch die korrekte Anwendung der Großschreibung und einen ersten Einblick in die DIN-5008-Regeln für professionelle Textgestaltung. Darüber hinaus wird auf die richtige Schreibtechnik und Haltung geachtet, um Verspannungen vorzubeugen.

Ergänzend gibt es spezielle Kurse für das schnelle Mitschreiben, beispielsweise für angehende Gerichtsschreiber. Diese müssen eine bestimmte Anzahl an Anschlägen pro Minute erreichen, um das gesprochene Wort exakt protokollieren zu können. Die Kurse „10-Minuten-Abschrift“ werden alle zwei bis drei Monate angeboten. 

Zwei Hände auf Tastatur
Mit dem Zehn-Finger-Tastsystem schreiben zu können, bleibt eine gefragte Fähigkeit. / © Canva

Die zugehörigen Zertifizierungen können vier Mal jährlich erworben werden – auch unabhängig vom Kurs. Die Voraussetzung: „80 Anschläge pro Minute, zehn Finger blind“. Das Bildungszentrum Nürnberg bietet zudem eine Vielzahl an Handarbeitskursen an, darunter Nähen, Häkeln, Patchworken, Quilten, Filzen oder Goldschmieden. „Hier steht vor allem die Kreativität im Mittelpunkt“, erklärt Neumann. Gleichzeitig wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. Es geht darum, Ressourcen zu schonen und Gebrauchtes nicht einfach wegzuwerfen, sondern in etwas Neues und Schönes zu verwandeln.

Ein besonderes Highlight ist die offene Nähwerkstatt. Dort können die Teilnehmenden selbstständig an Projekten arbeiten, sich mit Gleichgesinnten austauschen oder Hilfe erhalten, wenn sie allein nicht mehr weiterkommen. Wer wissen will, wie ein Reißverschluss eingesetzt oder ein Knopf angenäht wird, findet hier Unterstützung. Auch Stopfen und andere Reparaturtechniken erleben derzeit eine Renaissance. Ein weiterer Trend, der am Bildungszentrum großen Anklang findet, ist das traditionelle Kochen. Jeden Monat gibt es einen Kurs zur „Fränkischen Küche“, in dem saisonale und traditionelle Gerichte zubereitet werden. Regionale Zutaten und handwerkliche Zubereitung stehen dabei im Fokus. Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene – jeder kann hier die fränkische Küche auf neue Weise entdecken.

Darüber hinaus sind Backkurse besonders gefragt, insbesondere für Sauerteigbrot, aber auch für Küchle, Stollen oder Käsekuchen. Das Interesse an selbstgemachten Backwaren steigt, da viele Menschen bewusster konsumieren und industrielle Alternativen meiden möchten. Aber auch das Interesse an einer anderen „alten“ Fertigkeit hat zugenommen: dem Fermentieren – und zwar nicht nur von Sauerkraut. Im Kurs geht es um Grundlagen und Fermentationstechniken für verschiedenes Gemüse, die Auswahl des Salzes, Gewürze und viel mehr.

Ob altbewährte Handwerkskunst, vergessene Sprachen oder praktische Fertigkeiten: Manches Wissen mag aus der Mode gekommen sein, aber es verliert nicht an Wert – im Gegenteil. In Zeiten des digitalen Wandels und nachhaltigen Denkens erleben viele alte Fertigkeiten ein echtes Revival.

Text: Anja Kummerow

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